Brief Betreff Burgberg Schieben

Betreff: Burgberg Schieben

Hallo Herr Kernchen,

ersteinmal Glückwunsch zu Ihrer Webseite über Schieben, die sich ja schneller entwickelt als man zuschauen kann.

Mein Name ist Eric Henschler und ich bin als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger im Saale-Holzlandkreis unterwegs, mein Steckenpferd dabei sind die Burgen, Ritter- und Adelssitze in der sogenannten Grafschaft Camburg.

Am Burgberg in Unterschieben bin ich dran, seit mir Udo Thieme vor einigen Jahren davon berichtet hat. Trotz der eindeutigen Morphologie des vermuteten Burgberges ließ sich erst vor ziemlich genau einem Jahr die These mit Funden untermauern - was mir bis heute fehlte war eine Zuordnung zu Schieben bzw. dem späteren Rittersitz im Mitteldorf.

Bei einer Begehung des Burgberges mit Bodendenkmalpflegern aus Naumburg im April 2016 gemachte Funde haben wir an das Landesamt nach Halle weitergeleitet. Laut den Archäologen beim Landesamt stammen die Scherben aus dem 11. - 13. Jhdt. - es handelt sich um sogenannte Grauware, einfache Gebrauchskeramik der damaligen Zeit. Gebrannte Tonklumpen vom Rand des Burgberges wurden von den Fachleuten als Hüttenlehm erkannt. Da es sich um verschiedene Fragmente handelte, konnten Reste von Lehmputz, Lehmausfachung (Fachwerk) und Dacheindeckungen unterschieden werden. Da die Hüttenlehmfragmente hartgebrannt sind, muss davon ausgegangen werden, daß ein Bauwerk auf dem Burghügel durch ein starkes Feuer zerstört wurde - da ein hartbrennen lange und hohe Temperaturen voraussetzt.

Zusätzlich erhärtet wurde das ganze durch die Abbildung des Burgberges durch entsprechende digitale Geländemodelle und Lidarscans, Dr. Schwarz vom Landesamt hat die Burgstelle auf Grund dieser Bilder als hochmittelalterliche Turmhügelburg angesprochen. Gerade im DGM bildet sich der Burgberg sehr deutlich ab.

Das bringt mich zu der von Herrn Zahn gemachten Verbindung zu Weineck. Mir hat bislang das "Slebene" aus der Eisenbergischen Chronika nicht so zugesagt, da ich ständig an Schlöben denken musste. Eine ältere Wiedergabe der von Herrn Zahn in der Eisenbergischen Chronik gefundenen Urkunde in einem Buch von 1730 ("Kurtze doch zuverlässige Nachricht vom ... Nonnen-Kloster") benennt den Ort, an dem Hermann von Weineck/Wynecke 1330 gesessen hat, als Sehbene... ein Blick auf die Original-Urkunde wäre in diesem Zusammenhang natürlich ebenso das non-plus-ultra wie auf die Lehensbriefe der Herren von Ebersberg, in denen laut Anmerkung im Lehensbuch Friedrich des Strengen die Verbindung zwischen Schieben und Weineck hergestellt wird.

Sei es drum, dieser Verweis auf Ihrer Homepage hat mir wieder einen Impuls gegeben, die Geschichte von Schieben weiter zurück zu verfolgen, immerhin lassen sich die Herren von Weineck schon einmal bis ins späte 13. Jhdt. zurückverfolgen. Dies zeigt neue Forschungsansätze auf, unabhängig davon ob Unterschieben nun Weineck war oder nicht.

Vielen Dank für Ihr Engagement mit der Homepage und den gesetzten Anreiz, wieder meinen Schieben-Ordner auf der Festplatte zu öffnen

Ich wünsche einen schönen Tag und verbleibe mit Grüssen aus Mertendorf,
Eric Henschler

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